WordPress Theme von der Stange – Fluch oder Segen?

vom 2. Dezember 2018 zu den Themen WordPress
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Ein Relaunch Ihrer bestehenden Webseite steht an oder Sie stehen gerade am Anfang Ihrer Unternehmensgründung und wollen sich natürlich auch im Web professionell präsentieren. Für viele ist WordPress bei der Entscheidung des CMS die erste Wahl. Das liegt wahrscheinlich vor allem an der Popularität, der großen Auswahl an oftmals kostenlosen Plugins und zu guter Letzt spielt wahrscheinlich auch die schier unendliche Auswahl an sogenannten Themes eine große Rolle.

Gerade der Preis und die versprochene Flexibilität der Themes ist für viele Unternehmen verlockend. Mit diesem Artikel wollen wir den Einsatz von WordPress Themes ein mal kritisch hinterfragen und die Vorteile und Nachteile transparent aufzeigen.

Was ist eigentlich ein WordPress Theme?

Die Aufgabe von WordPress selbst ist primär, die Verwaltungsoberfläche (WP-Admin), über die die Inhalte gepflegt werden, bereitzustellen und die Daten entsprechend in einer MySQL-Datenbank zu speichern. Für die Ausgabe und der Anzeige der hinterlegten Inhalte und Unterseiten ist letztendlich ein sogenanntes Theme verantwortlich.

Die wichtigsten Komponenten eines Themes sind die Templates (Anzeige der Inhalte), Style-Sheets (Styling der Elemente, Typographie, etc.), JavaScript-Dateien (Realisierung von dynamischen Web-Elementen wie z. B. ein Slider oder ein Popup) und ggf. noch diverse Helfer-Funktionen die intern bei der Theme-Entwicklung eingesetzt werden um den Quellcode übersichtlich und aufgeräumt zu halten.

Themes sind rein technisch unabhängig von der WordPress-Instanz. Es können beliebig viele Themes in einer Installation hinterlegt werden. Die Themes können beliebig ausgetauscht und aktiviert werden. Es muss allerdings immer ein Theme aktiviert sein, da WordPress sonst nicht weiß, wie die Inhalte der Webseite angezeigt werden sollen.

Der Unterschied zwischen einem gekauftem Theme und einem individuell entwickeltem Theme

In der Welt der WordPress-Themes unterscheidet man grundsätzlich zwei Arten von Themes: Gekauftes Themes "von der Stange" und individuelle Themes.

Gekaufte Themes sind fertige Themes, die von den Entwicklern für den Massenmarkt entwickelt wurden und auf Marktplätzen wie z. B. ThemeForest für Preise (einmalig) ca. 40$ angeboten werden. Es gibt Themes die teilweise bis zu einer halben Millionen mal verkauft werden. Die Entwickler versuchen mit den Themes natürlich maximal viele Zielgruppen (Branchen) abzudecken und alle erdenklichen Web-Elemente zu implementieren. Die einzelnen Themes enthalten oftmals intern noch mal die Möglichkeit, verschiedene Stylings einzuspielen. Somit ist es möglich, mit einem einzelnen Theme Webseiten für den Dachdecker, die Putzfrau, eine Werbeagentur, der KFZ-Werkstatt und der Schönheitschirugie-Praxis zu erstellen. Beispiele für populäre Themes sind z. B. Divi, Avada, X oder Enfold.

Individuelle Themes werden von Agentur für Web-Entwicklung (wie z. B. von uns ;-) ) speziell für ein Unternehmen entwickelt. Dabei wird sehr detailliert auf die Anforderungen, Wünsche und das Corporate Design der Unternehmen eingegangen. Da das Theme ganz individuell entwickelt wurde, besteht nicht das Risiko, dass das Nachbar-Unternehmen die Webseite mit dem gleichen Theme umsetzt.

Hinweis: In diesem Artikel geht es nur um gekaufte, fertige Themes

Vorteile von gekauften WordPress Themes

#1 Kostengünstig – unter Vorbehalt!

Das Argument überhaupt für den Einsatz eines Themes sind die vermeintlich gesparten Aufwände für die Entwicklung. Wenn ein Theme exakt die Anforderungen erfüllt und keine Anpassungen vorgenommen werden müssen, kann der Einsatz von einem Theme viel Zeit sparen.

Allerdings ist hier Vorsicht geboten: Änderungen, Optische Anpassungen und funktionale Erweiterungen sind bei einem gekauften Theme oft sehr aufwendig und können den Vorteil unter Umständen sogar zunichtemachen.

Nachteile von gekauften WordPress Themes

#1 Performance

Mittlerweile flattern nahazu täglich Anfragen in unserem Postfach mit Hilferufen von Unternehmen, deren Webseite auf ein fertiges Theme basiert und dessen Performance inakzeptabel ist. Eine schlechte Performance wirkt sich leider direkt doppelt negativ auf die Webseite aus. Zum einen leidet die Usability für den Besucher stark unter zu langen Ladezeiten – Was unter Umständne sogar zu einer hohen Absprungrate führen kann. Und zum anderen führen viele Faktoren, die ein Theme mit sich bringt zu einem schlechten Google PageSpeed.

Der sogenannten PageSpeed ist ein Faktor von Google, der in Zahlen von 0 bis 100 angibt, wie gut die Performance der Webseite aus den Augen von Google ist. Dieser Wert fließt auch in die Rankings der Suchergebnisse von Google ein. Google kann beim PageSpeed zum Beispiel viele CSS-Dateien, viele JS-Dateien, nicht optimierte Bilder oder langsame Ladezeiten durch etlichen Plugins nicht leider. Doch das sind leider genau die Probleme, von fertigen Themes.

#2 Benutzerunfreundlichkeit bei der Inhaltspflege

Falls Sie schon mal ein fertiges Theme genutzt haben, haben Sie es wahrscheinlich selbst schon mal erlebt. Um ein Themes "in Betrieb" zu nehmen, werden von Anfang an oftmals zehn und mehr Plugins benötigt. Das können Plugins für Verwaltung der Inhalte, Slider, Speisekarte, Kontaktformulare oder ähnliches sein. Teilweise loggen wir uns in den Admin-Bereich unserer Kunden ein und werden von so vielen Menüeinträgen bergrüßt, dass die Bildschirmhöhe nicht ausreicht, um alle anzuzeigen.

Der Pflege der Inhalte solcher aufgeblähten Themes findet meist an vielen verschiedenen Stellen im Admin-Bereich statt und macht die Inhaltspflege für einen Laien kaum noch handlebar.

Unsere Meinung überschneidet sich an dieser Stelle mit den Meinungen einiger unserer WordPress-Kunden: Dem Ruf, dass WordPress ja so einfach zu bedienen wäre, kommt WordPress bei weitem nicht nach. Gerade wenn man dem Gegenüber z. B. das Craft CMS stellt wird einem dies schnell noch deutlicher.

#3 Erweiterbarkeit und Individualisierung sehr kostspielig

Themes von der Stange bieten meist mit diversen Optionen schon Möglichkeiten, ohne Entwicklerkenntnisse einige Attribute der Webseite an die eigenen Wünsche anzupassen. Darunter fällt z. B. das Logo, Farben, Schriftarten, etc.. Welche Attribute bearbeitet werden können, ist von Theme zu Theme sehr unterschiedlich.

Die meisten unserer Kunden stoßen allerdings mit den vorhanden Optionen schnell an Ihre Grenzen. Die Webseite soll natürlich die eigene Corporate Identity wiederspiegeln. Und ein Buchungsformular für das Hotelzimmer, eine Termin-Anfrage für den Berater oder eine digitale Speisekarte für das Restaurant wären doch auch nett? An sich lässt sich das alles meist auch mit fertigen Themes realisieren. Allerdings ist der Aufwand für die selbe Integration oder Änderung dort oftmals um ein vielfaches größer als bei einer Eigenentwicklung.

#4 Kein Unikat

Über diesen Nachteil muss jeder letztendlich selbst urteilen. Es gibt mit Sicherheit Unternehmen, die legen mehr Wert darauf eine einzigartige Webseite zu haben als andere. Es muss sich allerdings jeder Bewusst sein, dass es durchaus passieren kann, dass direkt Konkurrenten das gleiche Theme nutzen, wie Sie. Wer will das schon?

#5 Sicherheit

WordPress als System hat an sich leider schon in puncto Sicherheit nicht den besten Ruf. Das liegt vor allem daran, dass solch ein populäres und verbreitetes System natürlich für Hacker ein attraktive und lohnendes Ziel bietet. Ähnlich ist es bei den Themes, welche durchaus auch Sicherheitslücken für Hack-Angriffe öffnen können. Hier ist es für Hacker antürlich auch um einiges interessanter, Sicherheitslücken in einem Theme, welches zich tausende Male verwendet wir, zu finden als die, einer einzelnen Webseite.

#6 Einarbeitung

Sollten Sie die Pflege und Erweiterung Ihrer Webseite zum Beispiel an einen internen Mitarbeiter oder eine neue Agentur abgeben ist die Einarbeitungszeit in ein Gekauftes-Theme-Konstruktur um ein vielfaches größer als die Einarbeitung in ein schlankes individuelles Theme.

Fazit

Theme für 40$ kaufen, WordPress & Theme installieren, Inhalte einpflegen und optisch ein wenig anpassen – Fertig. Hört sich verlockend an. Aber leider entstehen bei der Individualisierung von fertigen Themes und dem Ausmerzen der durch die Themes entstehenden Nachteile wie z. B. der Ladezeit so große Entwicklungsaufwände, dass man teils bei ähnlichen Kosten wie bei einer individuellen Entwicklung liegt. Unabhängig von den Kosten wird aus dem Vergleich der Vorteile und Nachteile von WordPress Themes weiter oben deutlich klar, dass ein individuelles Theme einem Theme von der Stange in vielerlei Hinsichten um Weiten voraus ist.

Gibt es Fälle, bei denen der Einsatz von Themes trotzdem in Frage kommt?

Ja. Wenn die Budgets für die neue Webseite sehr knapp kalkuliert und wenn ein Theme zu 99,9% die Wünsche des Kunden erfüllt, keine spätere Erweiterung der Webseite geplant ist und eine längere Ladezeit vom Kunden in Kauf genommen werden kann der Einsatz eines Themes sinnvoll sein. In jedem Fall empfehlen wir den Einsatz von einem Theme immer zwingend mit einer anschließenden Performance Optimierung, um die Nachteile bei den Ladezeiten zu kompensieren.